Zum Inhalt springen
Wissen · Mineralwasser

Still, naturell, medium, classic, pur – was die Begriffe auf der Flasche bedeuten

Auf Mineralwasserflaschen steht vieles, das nach Fachsprache klingt. Gesetzlich geregelt ist davon nur ein kleiner Teil. Die bekannten Wörter für den Kohlensäuregehalt sind Handelsnamen der Hersteller. Diese Seite zeigt, was gleichbedeutend ist, wo es Feinheiten gibt und woran man auf dem Etikett wirklich etwas erkennt.

Stand: 26.10.2026 · Keine Rechtsberatung, die Quellen stehen am Ende der Seite.

Auf einen Blick: Die Handelsbegriffe für die Kohlensäure

Diese Begriffe sind nicht gesetzlich definiert. Verbraucherzentralen fordern seit Langem, sie über den tatsächlichen Kohlensäuregehalt festzulegen. Bis dahin gilt: Der Name sagt nur, was der Hersteller damit meint.

BegriffWas meist gemeint istGleichbedeutend mitGut zu wissen
Still Keine oder kaum Kohlensäure. Naturell, Naturelle Nicht gesetzlich geregelt. Ob Kohlensäure natürlich enthalten oder zugesetzt ist, steht im Kleingedruckten.
Naturell, Naturelle Wie „still“: keine Perlung. Still Bei einer Stichprobe von Lebensmittelklarheit enthielten alle elf geprüften „Naturell(e)“-Wässer keine Kohlensäure. Ein Wasser mit zugesetzter Kohlensäure als „naturelle“ zu verkaufen, halten die Verbraucherzentralen für irreführend.
Pur, Natur Hersteller-Zusatzname, bei Mineralwasser meist für die stille Sorte. Still (je Marke prüfen) Keine Definition. Beispiel: Elisabethen Quelle „Pur“ ist laut Händlerangabe ein stilles Mineralwasser ohne Kohlensäure. Aber: „Pur & Fruchtig“ ist ein Wasser mit Fruchtgeschmack, und „Natur“ oder „Pur“ bei Säften bedeutet etwas anderes (ohne Zusätze).
Medium Mittlere Kohlensäure: weniger Prickeln als Classic. keine gesicherte Entsprechung Nach Stiftung Warentest enthält Medium im Schnitt etwa ein Drittel weniger Kohlensäure als Classic. Feste Grenzwerte gibt es nicht, zwei „Medium“-Wässer können unterschiedlich stark prickeln.
Classic Viel Kohlensäure, kräftig sprudelnd. Sprudel, Spritzig (je Marke) Die Zahlen schwanken je nach Quelle und Hersteller, eine einheitliche Grenze zu „Medium“ gibt es nicht.
Sprudel Viel Kohlensäure. Classic Als einziger dieser Begriffe kommt „Sprudel“ auch in der Verordnung vor: Er darf anstelle von „Säuerling“ benutzt werden, auch wenn die Kohlensäure zugesetzt wurde.
Spritzig Wird meist für die kohlensäurereiche Sorte benutzt. Classic, Sprudel (je Marke) Taucht hauptsächlich als Sortenname auf und ist nirgends definiert.
Sodawasser, Soda Gesetzlich definiert: Tafelwasser mit mindestens 570 mg Natriumhydrogencarbonat je Liter und Kohlensäure. Umgangssprachlich oft jedes Wasser mit Kohlensäure. nicht gleich mit Classic oder Sprudel Es ist kein natürliches Mineralwasser, sondern Tafelwasser. Das Natron macht den Geschmack leicht laugig. Wasser aus dem Haus-Sprudler erreicht zwar die Kohlensäure, meist aber nicht die vorgeschriebene Natron-Menge und ist damit im Sinne der Verordnung kein Sodawasser. In Österreich gilt eine andere Regel: Dort darf Tafelwasser ab 4 g/l Kohlenstoffdioxid „Sodawasser“ heißen, auch ohne Natron.
Feinperlig, sanft, leise, mild Marketingwörter für eine eher geringe oder feine Perlung. keine gesicherte Entsprechung Nicht definiert. Manche Marken führen eine „Sanft“-Sorte zusätzlich zu „Medium“ und „Still“, es ist also nicht dasselbe wie „still“. Im Zweifel auf das Etikett und die Kohlensäure-Angabe schauen.

Was gesetzlich wirklich geregelt ist

Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (Min/TafelWV) regelt, was „natürliches Mineralwasser“, „Quellwasser“ und „Tafelwasser“ sind. Heilwasser nimmt sie ausdrücklich aus.

Natürliches Mineralwasser

Stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Vorkommen, ist ursprünglich rein und bleibt in Zusammensetzung und Temperatur im Rahmen natürlicher Schwankungen konstant. Es ist das einzige dieser Wässer mit amtlicher Anerkennung und wird am Quellort abgefüllt. Eine Mindestmenge an Mineralstoffen ist nicht vorgeschrieben. Erlaubt sind nur wenige Behandlungen: Eisen, Schwefel (und per Ozonluft auch Mangan und Arsen) entfernen sowie Kohlensäure entziehen oder zusetzen. Sonst darf nichts zugesetzt werden. (§§ 2, 6)

Die Kohlensäure-Bezeichnungen

Wenn Kohlensäure eine Rolle spielt, schreibt die Verordnung genaue Worte vor: „natürliches kohlensäurehaltiges Mineralwasser“ (die Quellkohlensäure ist noch so enthalten wie an der Quelle), „natürliches Mineralwasser mit eigener Quellkohlensäure versetzt“ (mehr Kohlensäure aus derselben Quelle) und „natürliches Mineralwasser mit Kohlensäure versetzt“ (fremde Kohlensäure zugesetzt). Wurde Kohlensäure entzogen, muss „Kohlensäure ganz entzogen“ oder „teilweise entzogen“ dabeistehen. „Säuerling“ oder „Sauerbrunnen“ darf nur ein Wasser heißen, das von Natur aus mehr als 250 mg Kohlendioxid je Liter enthält. (§ 8)

Quellwasser

Kommt ebenfalls aus unterirdischen Quellen, muss aber nicht amtlich als Mineralwasser anerkannt sein, keine konstante Zusammensetzung haben und nur Trinkwasserqualität erreichen. Die Reinheitsanforderungen sind niedriger. (§§ 10, 14)

Tafelwasser

Ein Industrieprodukt: Trink- oder natürliches Mineralwasser, dem Natursole, Meerwasser, Kochsalz oder Magnesiumchlorid zugesetzt werden dürfen (Magnesium höchstens 77 mg je Liter), auch Kohlensäure ist erlaubt und kann in der Bezeichnung stehen. Eine Quellangabe ist nicht nötig, es gelten die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung. (§§ 10, 11, 14)

Sodawasser

Eine geschützte Sonderform von Tafelwasser: Mit mindestens 570 mg Natriumhydrogencarbonat (Natron) je Liter und Kohlensäure darf „Tafelwasser“ durch „Sodawasser“ ersetzt werden. (§ 14) Es ist also nicht dasselbe wie ein Mineralwasser „classic“ oder „Sprudel“: Hier ist das Natron vorgeschrieben, es schmeckt dadurch leicht laugig. In Österreich ist die Schwelle eine andere (mindestens 4 g/l Kohlenstoffdioxid, ohne Natron-Vorgabe).

Heilwasser

Rechtlich ein Arzneimittel. Es braucht eine Zulassung nach dem Arzneimittelrecht (BfArM), eine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung muss belegt sein. Üblich ist eine natürliche Mineralisierung von mindestens 1.000 mg je Liter oder ein bestimmter Gehalt wertgebender Stoffe wie Fluorid oder Jodid. Heilwasser fällt nicht unter die Min/TafelWV und sollte nach ärztlicher Rücksprache getrunken werden.

Zahlen auf dem Etikett: Das ist geregelt

Angaben zum Mineralstoffgehalt dürfen nur gemacht werden, wenn bestimmte Grenzwerte erreicht sind (Anlage 6 der Verordnung).

gering mineralisiertRückstand höchstens 500 mg/l
sehr gering mineralisiertRückstand höchstens 50 mg/l
hoch mineralisiertRückstand über 1.500 mg/l
bicarbonathaltigHydrogencarbonat über 600 mg/l
calciumhaltigCalcium über 150 mg/l
magnesiumhaltigMagnesium über 50 mg/l
sulfathaltig / chloridhaltigjeweils über 200 mg/l
natriumhaltigNatrium über 200 mg/l
natriumarm („für natriumarme Ernährung geeignet“)Natrium unter 20 mg/l
„Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“u. a. Natrium höchstens 20, Nitrat höchstens 10, Nitrit höchstens 0,02, Sulfat höchstens 240 mg/l; Uran höchstens 0,002 mg/l

So erkennen Sie, was wirklich in der Flasche ist

  • Schau auf die Verkehrsbezeichnung („natürliches Mineralwasser …“) und nicht auf den Sortennamen. Dort steht, ob Kohlensäure zugesetzt wurde.
  • „Still“, „naturell“ und „pur“ sind kein Gütesiegel. Sie sagen nichts über Mineralstoffe oder Qualität aus.
  • Wer wegen Natrium oder für Babys auf das Wasser achtet, braucht die Zahlen im Analyseauszug und die ausdrückliche Auslobung „für Säuglingsnahrung geeignet“.
  • Heilwasser ist kein Alltagsgetränk, sondern ein Arzneimittel. Es steht in der Regel im Regal neben den Mineralwässern, trägt aber den Hinweis „Heilwasser“.

Mehr Fachbegriffe im Glossar →